MADS MIKKELSEN (*1965)

 

02/12/2021 - 11/01/2022

 

 

Den letzten Zyklus dieses Jahres widmet das Filmpodium Biel/Bienne mit einer bunten Werkschau dem Ausnahmeschauspieler Mads Mikkelsen; oder wie es Matthias Lerf schreibt:

 

Dem besten Schauspieler der Welt

 

Mads Mikkelsen habe ich kürzlich als «besten Schauspieler der Welt» bezeichnet. Das war nicht einfach eine locker dahingeschriebene Schlagzeile, den Ausdruck hatte ich zuvor in meiner ganzen Journalistenkarriere noch nie gebraucht. Aber jetzt drängte er sich auf. Wer es nicht glaubt, schaue sich (noch einmal) den Schluss des Films «Drunk (Another Round)» von Thomas Vinterberg an.

Darin geht es um desillusionierte Männer im besten Alter und um Alkohol. Aufgrund einer abstrusen Theorie wollen vier Freunde überprüfen, ob es sich besser leben lässt mit einer Dosis von 0,5 Promille im Blut. Das Experiment beginnt glücklich, endet tragisch, aber das ist kein guter Schluss für einen solchen Film. Da beginnt, in einer grossen letzten Szene, Mads Mikkelsen zu tanzen. Leicht, schwer, traurig, lustig - in seinen Bewegungen ist alles drin.

Mads Mikkelsen, geboren 1965, kann das. Seine Karriere begann er in Dänemark als klassisch ausgebildeter Tänzer. Bald wurde er zu einer der führenden Figuren in der aufstrebenden Kinonation, die als Folge der Dogma-Bewegung eine Filmüberraschung nach der andern präsentierte. Verkopfte Geistliche spielte er ebenso locker wie verstockte Schläger und königliche Anarchisten. Natürlich wurde auch Hollywood auf ihn aufmerksam. Mikkelsen war ein James-Bond-Bösewicht sowie – in einer TV-Serie – der exquisite Menschenfresser «Hannibal». Und er bewegte sich auf dem internationalen Parkett ebenso stilsicher, ohne seine Freunde in der Heimat und ihre verrückten Filme zu vergessen.

Der beste Schauspieler der Welt, klar. Aber eben auch ganz auf dem Boden geblieben. Einmal traf ich ihn, abends um zehn, am Filmfestival von Cannes vor einer Sportbar, die ein Fussballspiel übertrug. Wie alle anderen stand er da, ein Glas Bier in der Hand, freute sich über Tore und schöne Dribblings. Und erst nach dem Schlusspfiff tanzte er, beflügelt vom guten Spiel, leichtfüssig von dannen.                      Matthias Lerf

 
Angereichert werden die kalten, kürzesten und dunkelsten Tage mit bildstarken Premieren wie THE POWER OF THE DOG, dem neuen Film der oscarprämierte Regisseurin Jane Campion. Ganze 12 Jahre hat es gedauert seit Campions letztem Film, doch das Warten hat sich gelohnt.
Das ZFF schreibt über das neue Meisterwerk: “Campion seziert mit feinster Klinge traditionelle Bilder von Männlichkeit und schafft mit ihrer Kamera Szenen von sublimer Schönheit, die bis ins kleinste Detail perfekt inszeniert sind. Getragen wird der ungewöhnliche Western von Charakterdarstellern wie Benedict Cumberbatch, Jesse Plemons und Kirsten Dunst."

 

Am Sonntag 05/12 freut sich das Filmpodium über Bieler Besuch und den filmischen Spaziergang EN CHEMINANT AVEC JAQUES DUTOIT in Anwesenheit der Filmcrew.

 

Und gleich darauf, am Dienstag 07/12 im Rahmen von: 16 TAGE GEGEN GEWALT AN FRAUEN, zeigt das Filmpodium WOMAN, mit anschliessender Diskussion.

 

Auch die Kinder werden aufs Jahresende mit dem traditionellen Weihnachtsfilm DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL von Vaclav Vorlicek und mit der heiteren Geschichte über Freundschaft LE TRÉSOR DU PETIT NICOLAS nicht zu kurz kommen.

 

Am Silvesterabend wird im Filmpodium mit Cüpli und dem neusten Werk STATA LA MANO DI DIO von Meisterregisseur Paolo Sorrentino gefeiert. Der neue Fellini, wie er auch gerne genannt wird, erzählt in seinem bisher persönlichsten Film vom Aufwachsen im Neapel der 1980er-Jahre. Es ist eine Liebeserklärung an Neapel, den Fussball und das Leben.


Im neuen Jahr, am Sonntag 09/01 freut sich das Filmpodium, Alice Schmid mit ihrem starken und wichtigen Film BURNING MEMORIES begrüssen zu dürfen. Ihr ganzes Leben hat sich Alice Schmid mit den Themen Kinder, Gewalt und Missbrauch beschäftigt. Sie hat dazu Bücher geschrieben und Filme gemacht, ohne sich bewusst zu sein, dass sie selber in ihrer Jugend Opfer eines Missbrauchs war. 50 Jahre später sieht Alice zufällig in Oslo das Gemälde „Pubertät“ von Edvard Munch mit einem nackten Mädchen, das sie schlagartig daran erinnert, was ihr damals passiert war.